Zum artgerechten Leben gehört natürlich auch die artgerechte Ernährung, medizinische Versorgung und angemessene Erziehung, zu der ich ja an anderer Stelle schon etwas geschrieben habe.
Auf jeden Fall benötige ich Sozialkontakt, in meinem Fall zu Hunden, Katzen und Menschen. Ich lebe zu Hause im Rudel und darf auch draußen Kontakt aufnehmen. Es gibt einen ziemlich komischen Trend bei manchen Hundeschulen, dass man den Sozialkontakt draußen streng reglementieren oder gar ganz unterbinden sollte. Komisch, wo wohl die vielen sozial unsouveränen Leinenpöbler her kommen? Der Spruch "die Hunde regeln das untereinander" ist zwar völlig verpönt. Aber im wahren Leben - und grundsätzlich sozialisierte Hunde mal vorausgesetzt - ist da was Wahres dran. Die Hunde verstehen ihre Körpersprache und Kommunikation nämlich meist viel besser als die Menschen.
Unbedingt benötige ich Freilauf! Leine, da wo nötig z.B. im Straßenverkehr klar. Aber unterwegs, sorry, die dauerhaft angeleinten Hunde haben nicht selten Probleme. Klar muss man fragen, was war zuerst da, Huhn oder Ei? Aber wenn ich mein Rudel so betrachte sind wir allesamt ein ziemlich entspannter, souveräner Haufen, eben weil wir uns entfalten dürfen und nicht ständig gegängelt werden.
Um Sozialkontakt und Freilauf gefahrlos und sicher zu ermöglichen müsst Ihr Menschen allerdings zwingend lernen, uns zu verstehen. Also vergesst doch mal "Sitz Platz Fuß" und besucht lieber Seminare zu Körpersprache und Kommunikation. "Die spielen so schön" auf der Hundewiese ist in den wenigsten Fällen echtes Spiel. Lasst Euch überraschen und seid neugierig.
Ich bin übrigens froh über mein Geschirr. Halsbänder finde ich echt gruselig. Ich kann kaum hinschauen, wie so mancher Hunde unfreiwillig stranguliert wird. Das ist noch ein weiterer Stressfaktor für die "Unentspannten". Und das dann womöglich noch an diesen gruseligen Flexi-Leinen, die ein hohes Verletzungsrisiko bergen, bei versehentlichem aus der Hand fallen klappernd den so verschreckten Hund verfolgen und mit denen ein Hund schön dazu erzogen wird, nur kräftig an der Leine zu ziehen, um mehr Spielraum zu bekommen, na Glückwunsch. Streng verboten ist eine Kombination aus Halsband und Flexi oder Schleppleine. Das kann zu gesundheitlichen Schäden führen, im schlimmsten Fall zum Genickbruch. Echt Leute, lasst das sein!!!
Und ich möchte gerne einiges Lernen und aktiv sein. Einfach nur Gassirunden das wäre mir echt zu wenig. Wir klettern unterwegs, balancieren, apportieren, suchen, echte Abenteuerspaziergänge machen wir - und das täglich. Deshalb klappt übrigens auch der Rückruf so toll, mit Frauchen ist einfach immer was los. Dafür lasse ich alles stehen und liegen.
Hundeschule finde ich auch super, allerdings nur, weil wir die klassische "Unterordnung" meiden. Wenn ich das Wort schon höre. Ich bin ein Lebewesen, kein Sklave oder Untergebener. Ich liebe es, wenn ich mit meinem Menschen etwas neues lerne und Bestätigung bekomme, mein Selbstbewusstsein weiter ausbaue. Das ist toll! Wir haben schon SQR-Dog probiert und auch mal beim Ralley-Obedience geschnuppert. Mal schauen, was noch so geht.
Und glaubt es mir, positive Bestärkung (von der "Unterordnungs-Dominanz-Fraktion", die irgendwie in einem früheren Jahrzehnt stecken geblieben ist als "Wattebauschwerfer" verunglimpft) funktioniert ganz wunderbar und ergibt einen eng an den Menschen gebundenen zuverlässigen Begleiter.
Ein Hund, der liebevoll gehalten und angeleitet wird, der für Positives bestärkt und bei Unerwünschtem ignoriert wird, braucht keine "Maßregelung" - auch so ein Gruselwort. Ihr Menschen seid doch so schlau. Lasst Euch doch mal was Pfiffigeres einfallen als Strafe, um uns zu "lenken". Bei uns allen Wuffis hier klappt das ausnahmslos, obwohl wir alle komplett verschieden sind.
Später vielleicht noch mehr ...
